Allgemeine Verkehrsregeln und das Fremdenverkehrssystem

Samstag, der 19. Dezember, 2009.
Geschrieben von Marcus.
Allgemeine Verkehrsregeln und das Fremdenverkehrssystem

Die folgenden Erfahrungen lassen sich, bis auf einige Ausnahmen, nicht auf eine bestimmte Gruppe von Verkehrsteilnehmern reduzieren, sondern betreffen Alle mehr oder weniger gleichermaßen.

Begegnungen wärend des Fahrens von A nach B oder das balinesische Fremdenverkehrssystem:

Wenn man als Ausländer hier mit dem Roller unterwegs ist, benötigt man in der Regel weder Karten noch ein Navigationssystem. Denn zumindest die größeren Ortschaften sind mit einem hervorragenden Fremdenverkehrssystem ausgestattet, an dem sich so manche Metropole was abschauen könnte. Sobald man langsamer wird oder auch den richtungsweisenden Schildern über und neben der Straße das kleinste bisschen Aufmerksamkeit schenkt, muss scheinbar in einer geheimen Servicecentrale irgendwo auf Bali ein rotes Lämpchen aufleuchten: umgehend wird der nächste Servicemitarbeiter des Fremdenverkehrssystems alamiert und innerhalb von wenigen Sekunden fährt ein netter Indonesier neben dem Roller und fragt freundlich „where are you going to?“. Nun gibt man sein gewünschtes Fahrziel an. Es kann sein, dass man seine Angabe ein paar Mal wiederholen muss, denn bei Tempo 50-60 auf einer viel befahrenen Straße ist die Verständigung von Roller zu Roller schon mal ein wenig schwieriger. Nun folgt eine kurze Sicherheitsabfrage, die überprüft, ob es sich nicht um einen Fehlalarm handelt und der Serviceaufruf nicht ausversehen gestartet wurde. Diese lautet wie folgt: „have you been there before?“. Antwortet man nun mit „ja“, geht der Servicemitarbeiter davon aus, dass es sich um einen Fehlalarm handelt und man den Weg auch selbst findet. Hin und wieder ist das Serviceangebot an dieser Stelle aber noch nicht beendet, dann versucht der Servicemitarbeiter einem die langweilige Fahrt mit ein wenig Konversation zu verkürzen. In der Regel versucht er mit folgenden, vermutlich in einer Mitarbeiterschulung erworbenen Fähigkeiten der Unterhaltung diese Konversation aufzubauen: „where are you from?“, „where do you stay“ usw. Sollte man aber auf die Sicherheitsabfrage mit „nein“ geantwortet haben, so bietet sich der Servicemitarbeiter umgehend an, einem den Weg zu zeigen. Auch hierbei wird oftmals das erweiterte Serviceangebot zur Verkürzung der Fahrzeit angeboten. Alternativ kann man sich auch den Weg erklären lassen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass das Fremdenverkehrssystem so ausgelegt ist, dass Auswärtige auf ihrer Fahrt zum Zielort möglicht viel von der Landschaft Balis sehen. Aus diesem Grund wird man grundsätzlich in die dem Ziel entgegen gesetzte Richtung gewiesen. Eine weitere Alternative ist die universelle Wegbeschreibung: „Turn right, turn right and than go!“. Welche eine Art Geheimcode sein muss, denn diesen richtig zu deuten ist uns noch nicht gelungen.

Die Bedeutungen des Blinkens

Rechts blinken:

  1. Ich möchte rechts abbiegen (irgendwann)
  2. Ich möchte links abbiegen (vielleicht)
  3. Überhole mich (bitte)
  4. Ich überhole gerade und fahre darum auf der Gegenfahrbahn, auch wenn da Gegenverkehr kommt (muss halt sein)
  5. Ich hab vergessen den Blinker abzuschalten (sorry)
  6. Vorsicht, ich mache gleich etwas vollkommen Verrücktes
  7. (Zu 95% treffen Punkt 5 und 6 zu)

Links blinken:

  1. Ich möchte links abbiegen (irgendwann)
  2. Ich möchte rechts abbiegen (vielleicht)
  3. Ich werde gleich wieder auf meine eigene Fahrbahn fahren (vielleicht)
  4. Ich hab meinen Blinker an, weil das ist fast so cool wie Unterbodenbeleuchtung
  5. Jaaaaa, ich hab vergessen den aus zu machen…
  6. Kamikazeeeee
  7. (Auch hier zu 95% Punkt 5 und 6)

Warnblinkanlage:

  1. Ich fahre geradeaus über diese Kreuzung (wahrscheinlich)
  2. Ich bin eben irgendwann geradeaus über ne Kreuzung gefahren (jaja, vergessen aus zu machen…)

Alternative Form des Blinkens:

  • Um anzuzeigen, dass man ganz wirklich abbiegen möchte, wedelt man mit einem Arm in die entsprechende richtung. Dies entbindet Einen jeglicher Pflicht zur Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer.

Hupen

Hupen ist ein universelles Verständigungsmittel und kann viele Bedeutungen haben. Hier ein kleiner Auszug an bisher beobachteten, durch Hupen signalisierten Absichten:

  • Achtung, ich überhole
  • Ach ja, ich hab gerade gemerkt, du überholst mich
  • Pass auf (du Idiot)
  • Pass auf (ich mache gleich was total verrücktes)
  • Ich fahre jetzt (komme was wolle)
  • Ich hab grad nen Bekannten gesehen (ganz Bali scheint sich zu kennen)
  • Ich habe gerade einen Auswärtigen gesehen
  • Ich habe ein Taxi, und du darfst gern mit mir mitfahren
  • Fahrt los, es ist Grün
  • Fahrt los, es wird gleich Grün
  • Ich wollt nur mal kurz testen ob meine Hupe noch funktioniert (weil die ist echt wichtig!)
  • Ahhh, da ist ein Hund/Katze/Huhn/Mensch/Pferd auf der Straße
  • Vorsicht, ich werde jetzt um diese scharfe, uneinsehbare Kurve fahren
  • Ich werde gleich ein Hindernis umfahren
  • Ich bin soooo glücklich
  • Oma hat morgen Geburtstag
  • Ich stehe im Stau, da vorn ist ein LKW eingebrochen, ich komme weder vor noch zurück, ich hab echt Langeweile und will alle ein wenig nerven
  • Ich komme später aufn Kaffee vorbei
  • Dein Licht ist an

Verkehrsregelung und Trillerpfeifen

Um in irgendeiner Art und Weise den Verkehr auf balinesischen Straßen regeln zu dürfen, bzw. um dabei auch ein kleines Maß an Aufmerksamkeit zu bekommen benötigt man eine Trillerpfeife. Ansonsten endet man, egal ob Uniform oder nicht, unbeachtet wie eine Ampel. Vermutlich aus genau diesem Grund wird der Morgenverkehr zusätzlich zu den Ampeln von Trillerpfeifenden und hecktisch winkenden Polizisten ins Chaos gestürzt. Die einzige Aufgabe der Polizisten besteht darin die optischen Signale der Ampel lautstark mit ihrer Trillerpfeife zu unterstützen. Neben den Polizisten mit Trillerpfeife sind die Parkweiser, ebenfalls mit Trillerpfeife und Uniform allgegenwärtig. Sie springen todesmutig und wild trillerpfeifend auf die Fahrbahn wenn ein Fahrzeug vom Parkplatz auf die Straße möchte. Je nachdem wie energisch und selbstbewusst sie die Pfeife trillern, werden sie entweder vom Verkehrsstrom umspült oder es halten tatsächlich einige Fahrzeuge an und der Ausparkende kann glücklich seines Weges fahren.

Wann darf/muss man welche Fahrbahn nutzen

Grundsätzlich ist es gar keine so schlechte Idee auf der linken Seite zu fahren. Zum überholen darf man natürlich auf die Gegenfahrbahn wechseln, wobei eventueller Gegenverkehr erst einmal zweitrangig ist. Dieser ist erst zu beachten wenn man in zweiter Reihe überholt, das heißt einen Überholeden überholt oder wenn auf der Gegenfahrbahn ebenfalls überholt wird. Dann stecken entweder beide zurück oder einer von beiden signalisiert z.B. durch Blinken (rechts oder links), Lichthupe oder Hupe dass es für ihn gerade echt wichtig ist zu überholen und der Entgegenkommende nimmt dies zur Kenntnis und macht den Weg frei. Die letzte und unschönste variante ist, dass keiner zurück steckt, was dann sehr wahrscheinlich in einem Frontalcrash endet…
Ermöglicht werden diese Überholregeln dadurch, dass scheinbar jeder Fahrtrichtung auch 1/3 der Gegenfahrbahn zustehen, bzw. die Mitte je nach Verkehrsaufkommen für beide Fahrtrichtungen bestimmt ist. Des weiteren ist es auch gar kein Problem auf der rechten Straßenseite dem Verkehr entgegen zu fahren. Hierbei gilt es allerdings auch wieder ein paar Dinge zu beachten. Man sollte in reduziertem Tempo fahren, man sollte sich schon so mehr am rechten Fahrbahnrand aufhalten als an der Mittelspur, sonst könnte man mit einem entgegenkommenden Überholer verwechselt werden.

Zuwiderhandlungen gegen die Verkehrsregeln

Zuwiderhandlungen gegen diese äußerst komplexen und weitere Verkehrsregeln können empfindliche Strafen zur Folge haben.
Beispielsituation:
Man fährt mit dem Roller auf eine Ampel zu, diese wird rot und wäre mit Vollgas bei Überquerung schon mehr als 4 Sekunden rot. Also entschließt man sich dazu anzuhalten und wird von einer ganzen Horde Rollern überholt die noch todesmutig über die Kreuzung flitzt. Anhalten = Fehler. Denn wie der Ordnungshüter, der plötzlich aus seinem Häuschen gestürmt kommt feststellt, hat man nicht vor der „Linie“ angehalten. Wobei die Linie eine gedachte ist, die scheinbar nur er sieht. Nun möchte der Polizist die Papiere für den Roller und den Führerschein sehen. Rollerpapiere, kein Problem. Führerschein, liegt irgendwo zuhaus im Zimmer. Das wird teuer! stellt der Ordnungshüter fest. Ein Ticket müsse er schreiben, 500.000 Rupiah würde es kosten. Diese Worte wiederholt er so lange bis man ihm 30.000 – 50.000 Rupiah (je nach schwere des Vergehens) in die Hand drückt und fragt ob denn nun alles geregelt ist. Japp ist es. Schöne Fahrt noch…
Alternativ wurde wohl auch schon ein hungriger Polizist mit einem Döner und nem Bier bezahlt.

3 Responses to “Allgemeine Verkehrsregeln und das Fremdenverkehrssystem”

  1. Kim sagt:

    Sehr schön 😀 Kann man die Cops auch mit Kaugummis bezahlen?

  2. Marcus sagt:

    Dazu liegen uns bis jetzt noch keine Berichte vor. Jedoch sollte das durchaus möglich sein, da Bonbons hier ebenfalls als Zahlungsmittel akzeptiert sind.

  3. Markus sagt:

    Marcus, du bist echt lustig! Danke!

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